Heidis Buchtipp des Monats

Unsere Kollegin Heidi Prax stellt einmal im Monat unter dem Motto “Bücher und mehr” in unserer Bücherei Bücher abseits der Bestseller-Listen vor, die sie selbst gelesen und bewertet hat. Passend dazu gibt es in unserem Blog “Heidis Buchtipp des Monats”.

Wir wollen Ihnen jeden Monat zwei dieser besprochenen Titel vorstellen.

Fritz J. Raddatz: Tagebücher 2002 – 2012

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  • Einer der berühmtesten Literaturkritiker, Feuilletonist, Essayist und Biograph Nachkriegsdeutschlands. „Ein deutscher Truman Capote“.
  • Geboren 3.9.1931 in Berlin, seine Mutter starb nach seiner Geburt, deren Ehemann war wohl nicht der leibliche Vater. Der Stiefvater, Offizier im 1. WK, Direktionsmitglied der Ufa, schlägt und misshandelt ihn körperlich und seelisch (erzwungener Sex mit dessen zweiter Frau, der Vater schaut zu, Fritz ist 11 Jahre.
  • 1946 stirbt der Vater, Fritz kommt zu Pfarrer Mund und dessen Frau.
  • Studium der Germanistik, Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft, Amerikanistik an der Humboldt – Universität
  • 1953 – 1958 Leiter der Auslandsabteilung und stellv. Cheflektor des Verlages Volk und Welt. Nach andauernden, ernsten Konflikten mit der SED geht er nach Westdeutschland. 1958 Promotion, 1971 Habilitation bei Hans Mayer.
  • 1960 – 1969 Cheflektor und stellvertretender Verlagsleiter bei Rowohlt (Wilde Jahre, viel Geld, viele Feste, viele Autoren, die er für den Verlag gewinnen konnte). Kündigung per Telegramm durch Rowohlt.
  • 1976 – 1985 Feuilletonchef der ZEIT (Zwang zum Rücktritt wegen Goethes „Bahnhofszitat“). Herausgeber der ZEIT – Bibliothek der 100 Bücher.
  • Initiator und seit 1969 Vorsitzender der Kurt – Tucholsky – Stiftung. Tucho – sein großes Vorbild.
  • Biographien über Marx, Heine, Tucholsky, Faulkner, Benn, Rilke
  • Freund von Grass, Wunderlich, Johnson, Gabriele Henkel, Feind von Augstein, Karasek („Heizdeckenverkäufer“) und Dönhoff.
  • Weitere Personen: Rühmkorf, Hochhuth, Kempowski, Susan Sontag, Toni Morrison, Baldwin, Kempowski, A. Fest (sein Verleger).
  • Affären mit Klaus Mann und Rudolf Nurejew.
  • Es ist das Tagebuch eines empfindsamen Ästheten, eines scharfsinnigen, äußerst gebildeten Beobachter; eitel, eingebildet, süchtig nach Anerkennung und Zuneigung (Jaguar, Champagner, Austern, Messerbänkchen usw.)
  • Ein Abgesang auf eine ganze Epoche, der ersterbende intellektuelle Glanz der alten BRD.
  • Eine Aneinanderreihung von eingebildeten Kränkungen, mangelndem Respekt, fehlender Würdigung. Er teilt messerscharf und oft sehr verletzend aus, ist jedoch gekränkt über das, was in den Tagebüchern von Grass, Kempowski, Rühmdorf über ihn steht – entweder zu wenig oder das Falsche.
  • Eine sehr offene, berührende Auseinandersetzung mit Alter, Krankheit, Tod, dem Sterben so vieler Freunde, den Einschränkungen, die das Alter physisch mit sich bringt. Wie viel Zeit bleibt mir noch? An was werde ich letztendlich sterben müssen?
  • Fast keiner kennt ihn mehr, lädt ihn ein, erinnert sich an seine Arbeit.

 

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