Heidis Buchtipp des Monats

Unsere Kollegin Heidi Prax stellt einmal im Monat unter dem Motto “Bücher und mehr” in unserer Bücherei Bücher abseits der Bestseller-Listen vor, die sie selbst gelesen und bewertet hat. Passend dazu gibt es in unserem Blog “Heidis Buchtipp des Monats”.

Wir wollen Ihnen jeden Monat zwei dieser besprochenen Titel vorstellen.

Kristof Magnusson: Arztroman

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Herzstück und Ausgangspunkt des Romans ist die Rettungsstelle des Kreuberger Klinikums Am Urban, in dem die Notärztin Anita Cornelius arbeitet. Sie mag ihre Arbeit, kann sich gut auf die neuen Situationen einstellen und sie liebt es, helfen zu können, jemandem etwas Gutes zu tun.

Adrian, ihr Ex-Mann ist Arzt in derselben Klinik. Vor kurzem haben sie sich in bestem Einvernehmen getrennt, Lukas, ihr 14jähriger Sohn, lebt meistens bei seinem Vater und dessen neuer Partnerin Heidi (weil die Wohnung größer ist, die Schule näher liegt, keine unregelmäßigen Dienstzeiten und Einsätze usw.)

Alles scheint in Ordnung, ist es aber längst nicht, weder beruflich noch privat, auch wenn Anita sich das immer stärker vormacht.

Magnusson erzählt mit großer Sachkenntnis vom Alltag einer Notärztin, vom Alltag ihrer oft alten, kranken, armen Menschen in der Großstadt Berlin. Wie beiläufig werden die Mängel und Grenzen unseres Gesundheitssystems thematisiert, oder auch die gnadenlose Gentrifizierung / Vernichtung von bezahlbarem Wohnraum für Menschen mit weniger Einkommen / Rente.

Anita engagiert sich sehr in ihrer Arbeit, sie merkt nicht, wie stark sie trauert über das Scheitern ihrer Ehe, wie sehr ihr die neue Beziehung Adrians mit Heidi zusetzt, die Angst, auch noch ihren Sohn zu verlieren, der sich dort anscheinend wohler fühlt als bei ihr. Sie kapselt sich ab, stößt ihre Kollegen vor den Kopf, auch ihrem neuen Liebhaber, Rio, dem Bootsbauer, kann sie sich nicht öffnen.

Doch dann findet Anita Adrian zufällig auf einer Toilette in Krankenhaus, zugedröhnt mit einem Narkosemittel, fast kollabiert – und sie erfährt, daß Heidi mit Adrian und Lukas aufs platte Land, nach Brandenburg ziehen will. Haus mit Garten, Landarztpraxis, das ganze Programm, das Heidi sehr zielstrebig verfolgt.

Adrian wird denunziert, das Haus und die Praxis sind schon gefunden, und Heidi lanciert geschickt das Gerücht, Anita hätte ihn verraten.

Am Ende beginnt Anita, die Situation zu akzeptieren, nimmt die Schuld auf sich (obwohl sie mittlerweile weiß, daß es Heidi war, die Adrian um jeden Preis aus der Klinik, aus der Stadt , weg von Anita und den Drogen haben wollte). Und sie läßt sie ziehen, aufs Land, und beginnt, an eine mögliche Zukunft mit Rio zu glauben.

„Sein Ton ist stets geprägt von Komik und unterhaltsamer Leichtigkeit. Der Blick auf seine oft skurilen Figuren ist sarkastisch, doch liebevoll und mit umfangreichen Detailkenntnissen unterschiedlichster Lebenswelten, die auf sehr intensiven Recherchen beruhen.“

 

Kristof Magnusson: geboren 1976 in Hamburg, deutsche Mutter, isländischer Vater.

Ausbildung zum Kirchenmusiker, arbeitete in der Obdachlosenhilfe in New York, Literaturstudium in Leipzig und Rejkjavik

Übersetzer und erfolgreicher Autor von Theaterstücken („Männerhort“, das auch verfilmt wurde).

Zahlreiche Preise und Stipendien (Goethe – Institut in Indien, Writer in Residence in London, Boston, Iowa).

1 Roman 2005 „ Zuhause“ wurde ebenso wie „Das war ich nicht“ zum Bestseller.

 

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