Heidis Buchtipp des Monats

Unsere Kollegin Heidi Prax stellt einmal im Monat unter dem Motto “Bücher und mehr” in unserer Bücherei Bücher abseits der Bestseller-Listen vor, die sie selbst gelesen und bewertet hat. Passend dazu gibt es in unserem Blog “Heidis Buchtipp des Monats”.

Wir wollen Ihnen jeden Monat zwei dieser besprochenen Titel vorstellen.

Meinhard Miegel: Hybris – die überforderte Gesellschaft

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Biographische Stichpunkte:

  • Geboren 1939 in Wien, 1977 – 2008 Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn, ständiger Berater für Wirtschaft und Gesellschaft
  • 1957 Abitur in Ostdeutschland, 1959 Übersiedlung nach Westen, Studium (Jura, Soziologie, Philosophie, Anwalt der Industrie, Mitarbeiter von Kurt Biedenkopf, Bestseller – Autor.
  • Wirtschafts- und Wachstumskritik ist nicht neu, aber selten wird sie von konservativer Seite wie eben von Miegel geäußert.
  • Die exzessive Entwicklung unserer Lebenswelten überfordert alle: Unternehmen, Schulen, Unis, Parteien, Regierungen, nationale und internationale Organisationen, Einzelne und Gruppen.
  • Grundlage seiner Thesen: Nicht der Kapitalismus ist schuld an der Krise, der Kapitalismus ist nur ein Aspekt des grundlegenden kulturellen Problems: die Kultur der permanenten materiellen Expansion, die sich nun erschöpft hat. Nicht nur die Wirtschaft sei in der Krise, sondern die westliche Kultur schlechthin.
  • Seit etwa 200 Jahren erschöpfen wir unsere Ressourcen, überfrachten die Umwelt, plündern Rohstoffe, überfordern uns permanent als Gesellschaft und Individuen.
  • An den Anfang stellt Miegel Beschreibungen der modernen Türme von Babylon, wie er sie nennt: den Berliner Flughafen, die Hamburger Elbphilharmonie, den Stuttgarter Hauptbahnhof.
  • Ob entfesselte Finanzmärkte, aus dem Ruder laufende Großprojekte, überschuldete Gemeinwesen, unkontrollierbare Datenströme, dysfunktionale Bildungs-, Gesundheits- und Infrastrukturen – die Kosten der Maßlosigkeit sind enorm, keine Volkswirtschaft kann diese auf Dauer bezahlen. Und es sind nicht nur materielle Kosten, zunehmend schwinden Lebensqualität und als sinnvoll empfundenes Lebensgefühl.
  • Ohne Sinn, ohne Verstand, ohne Maß und Ziel wird konsumiert, gebaut, das Goldene Kalb angebetet. „Höher, schneller, weiter“ ist das Ziel. Die Menschen sind überfordert, verunsichert, voller Ängste und Zweifel.
  • „Bestens unterhalten in innerer Leere die Tage durchhetzen.“
  • Habsucht, Gier und Maßlosigkeit hat es immer gegeben, aber früher galten sie als Laster, heute als Tugend.
  • Wir alle verdrängen völlig, dass andere Menschen in ärmeren Ländern die Folgen unserer Gier tragen bzw. durch unsere Ausbeutung erst möglich machen.
  • Wachsende Produktion allein hat keinen Sinn. Auf der Jagd nach immer mehr materiellen Werten verkümmern menschliche, ethische Werte (Ludwig Erhard).
  • In dieser Hybris liegt der Kern der Krise von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Entfesselte Technik bringt entfesselte Menschen hervor.
  • Die Lösung vieler Probleme sieht Miegel in der Kunst der Beschränkung und der Entschleunigung: als Philosoph kennt er seinen Aristoteles und dessen Ideal vom Goldenen Mittelweg, vom richtigen Maß, von Lebenszufriedenheit.
  • „Notwendig sind jetzt Einfühlungsvermögen, Phantasie, Improvisationsfähigkeit und Anpassungsbereitschaft“ (Bescheidenheit). Ein verantwortungsvoller Hedonismus führt uns zu einem zufriedeneren Leben.
  • Wir sollten das Vorhandene besser nutzen und nicht mehr verbrauchen, als wir zur Verfügung haben. Im Moment verbrauchen wir Ressourcen, als hätten wir 1 ½  Globen.
  • Jeder in der industrialisierten Welt kann etwas tun!!
  • „Das Drama des permanenten Wachstums: Der Mensch glaubte, dass er durch ständige Mehrung materieller Güter immer glücklicher, immer zufriedener werden könnte. Er rennt und rennt und versucht alles Mögliche, um an allen Ecken und Enden zu expandieren, alle Grenzen zu durchbrechen, bis er feststellt: er hat überhaupt kein Ziel, er weiß nicht, wo er hin will, was er erreichen will“.
  • Alles ist so schnell geworden, dass die Menschen kaum mehr folgen können, und die Therapie besteht darin, noch schneller zu werden. Wir müssen begreifen, dass, wenn wir permanent produzieren und konsumieren, wir mit unserer Lebenszeit bezahlen.

 

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