Heidis E-Book des Monats

Unsere Kollegin Heidi Prax stellt einmal im Monat unter dem Motto “Bücher und mehr” in unserer Bücherei Bücher abseits der Bestseller-Listen vor, die sie selbst gelesen und bewertet hat. Passend dazu gibt es in unserem Blog “Heidis E-Book des Monats”.

Wir wollen Ihnen jeden Monat zwei dieser besprochenen Titel vorstellen.

Ayan Hirsi Ali: Reformiert euch

5749516200001zGeboren 1969 in Somalia als Tochter eines politischen Dissidenten, wuchs deshalb in mehreren Ländern im Exil auf: in Saudi Arabien, Kenia und Äthiopien.

Sie wurde von ihrer Mutter und Großmutter als strenggläubige Muslimin erzogen; mit fünf Jahren wurde sie von ihrer Großmutter zur Beschneidung gebracht, gegen den Willen der Eltern.

1978 floh die Familie nach Saudi Arabien, wo Ayan zur strenggläubigen Muslima wurde und mit den Muslimbruderschaften sympathisierte. Wegen der politischen Tätigkeit ihres Vaters wurden sie ausgewiesen und gingen nach Kenia. Dort besuchte sie mit ihrer Schwester eine Koranschule für Mädchen (mit strengen körperlichen Züchtigungen).

1992 sollte sie einen entfernten Verwandten ihres Vaters in Kanada heiratet. Ihr Vater hatte, ohne sie überhaupt zu fragen, den Antrag schon angenommen.

Auf der Reise nach Kanada musste sie in Düsseldorf umsteigen und floh mit dem Zug in die Niederlande, wo sie Asyl als Flüchtling aus Somalia beantragte und erhielt, später auch die Staatsbürgerschaft. Das Exil in Kenia und den Transitaufenthalt in Deutschland verschwieg sie, und aus Angst vor Verfolgung durch ihre Familie gab sie den Namen ihres Großvaters an.

Sie arbeitete in einer Fabrik und als Haushaltshilfe, lernte schnell die neue Sprache und begann ein Studium der Politikwissenschaften an der Uni Leiden. Neben dem Studium arbeitete sie als Übersetzerin für somalische Einwanderer und erlebte täglich die Diskrepanz zwischen der liberalen westlichen Welt und der muslimisch geprägten Stammeskultur ihres Geburtslandes.

Nach ihrem Masterabschluss wurde sie 2003 für die rechtsliberale Partei ins Parlament gewählt. Sie setzte sich besonders für die Rechte der Frauen, vor allem muslimischer Einwanderinnen ein. Und sie kritisierte heftig die niederländische Immigrationspolitik. Dafür erhielt sie Morddrohungen und Polizeischutz.

2004: Der Filmemacher Theo van Gogh wird von einem radikalen Muslim ermordet. An seine Brust heftete sein Mörder eine Todesdrohung für Ayan. Theo hatte bei ihrem äußerst umstrittenen Kurzfilm „Submission“ (=Unterwerfung) Regie geführt.

(Skandal und politische Krise wegen des Entzugs ihrer Staatsbürgerschaft durch die sehr konservative Ministerin Verdonk, die mit einer sehr restriktiven Einwanderungspolitik auf Stimmenfang ging.) Und sie wurde zum Spielball der Parteien, beinahe stürzt die Regierung über ihren Fall.

2006 wurde sie zur „Europäerin des Jahres“ gewählt; heute lebt und arbeitet sie in Harvard und den Niederlanden.

In ihrem neuen Buch schildert sie, wie sie trotz gebildeter Eltern dem alles bestimmenden religiösen Einfluss ausgeliefert war, sie trug Kopftuch und Umhang und bemühte sich, die zahllosen Gebote und Verbote einzuhalten. Und sie schildert die völlig rechtlose Situation, der die Mädchen und Frauen in muslimischen Ländern ausgesetzt sind. Ausführlich, sehr gebildet und belesen äußert sie ihre fundamentale Kritik am Islam.

Vor allem nennt sie fünf Konzepte, die dringend reformiert werden müssen:

  • Mohammeds Status als unfehlbarer Halbgott und die wörtliche Auslegung des Korans, die in Medina offenbart wurden.
  • Die Ausrichtung auf das Leben nach dem Tod statt auf das Leben vor dem Tod.
  • Die Scharia
  • Dass Einzelne „das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten“ können, ohne irgendeine Legitimation außer dem Koran (Denunziation, Bestrafung usw.)
  • Die Verpflichtung und die Notwendigkeit, Dschihad zu führen.

 

„Wir brauchen unsere Reformation, wir brauchen unseren Voltaire, wir brauchen unbedingt die Trennung von Staat und Kirche“

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