Heidis E-Book des Monats

Unsere Kollegin Heidi Prax stellt einmal im Monat unter dem Motto “Bücher und mehr” in unserer Bücherei Bücher abseits der Bestseller-Listen vor, die sie selbst gelesen und bewertet hat. Passend dazu gibt es in unserem Blog “Heidis E-Book des Monats”.

Wir wollen Ihnen jeden Monat zwei dieser besprochenen Titel vorstellen.

Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen

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Es sind zwei Hauptfiguren, die uns Doerr vorstellt:

Marie-Laure LeBlanc ist ein sommersprossige Sechsjährige mit schnell abnehmendem Sehvermögen, als er sie in das Naturkundemuseum mitnimmt, in dem er arbeitet. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, sie ist an Grauem Star erkrankt und wird bald erblinden. Ihr Vater, der sie hingebungsvoll liebt, baut ihr ein kleines, genaues Modell des Viertels, in dem sie leben. So ertastet sie sich vorab den Weg, auf dem sie sich durch die Straßen bewegen kann. Zu Weihnachten macht er ihr ein überaus kostbares Geschenk: ein Buch von Jules Verne in Blindenschrift, und er teilt sein großes Wissen über Natur mit seiner kleinen Tochter. 1934, als der Roman beginnt, ist sie sechs Jahre alt.

Und dann beginnt der Roman praktisch noch einmal von vorne:

Werner Hauser wächst 500 Kilometer nordöstlich von Paris auf dem Gelände der Zeche Zollverein auf, einem großen Kohlebergbaukomplex bei Essen. Er und seine kleine Schwester sind Waisen und leben im Kinderheim. Er ist begeistert von Technik und Mechanik, vor allem Radiotechnik hat es ihm angetan. Er ist zu klein für sein Alter, leidet unter seinen abstehenden Ohren und seiner hohen Stimme. Aber: er ist ein technisches Genie. Alles im Heim kann er reparieren, und so wird man von offizieller Seite auf ihn aufmerksam und er wird auf die Eliteschule der Nazis, auf die Napola Schulpforta geschickt und muss nicht mit zwölf oder vierzehn Jahren ins Bergwerk.

Eindringlich werden die brutalen, menschenverachtenden „Erziehungsmethoden“ der Nazis geschildert: die grausamen Wettkämpfe, die Aussonderungen, die Misshandlungen und Bestrafungen der Schwächeren – ein abgerichtetes Rudel macht gnadenlos Jagd. Frederic, sein bester Freund, der Vögel liebt und nicht schnell genug laufen kann, wird ins Koma geprügelt. Doch auch Werner erliegt anfangs der Propaganda.

1939/40 gibt es einen Schnitt: die Deutschen marschieren in Frankreich ein und stehen kurz vor Paris. Marie und ihr Vater flüchten nach Saint-Malo an der Küste, wo ihr etwas sonderbarer Onkel Etienne lebt. Dabei haben sie einen wertvollen blauen Diamanten, den kostbarsten Schatz des Museums, hinter dem auch die Nazis her sind. Vier Steine sind in vier Himmelsrichtungen geschickt worden, drei Kopien und das Original.

Aus Werner ist ein genialer Radiotechniker geworden, er trägt eine Wehrmachtsuniform und soll in Frankreich feindliche Sender aufspüren, die die Aktionen des Widerstandes, der Resistance, koordinieren.

Nächster Schnitt: Im August 1944 hat Marie in Saint-Malo Wurzeln geschlagen, sie lebt mit ihrem Vater und ihrem Onkel. Doch auch hier können sie dem Krieg nicht entkommen. Ihr Vater wird von den Nazis verhaftet und verhört, sie wollen den blauen Diamanten. Auch Onkel Etienne wird verhaftet, denn er ist es, der über Funk die Kommunikation der Widerstandsgruppen koordiniert. Zwar sind die Alliierten schon gelandet und die Deutschen sind auf dem Rückzug, aber in Saint-Malo haben sie sich noch in der Festung verschanzt und leisten erbittert Widerstand. Am 7. August regnet es Flugblätter vom Himmel, die Bewohner werden dringend aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Die Alliierten nehmen die Stadt unter Beschuss und zerstören sie fast völlig. Die mittlerweile blinde Marie versteckt sich unterm Bett, weil niemand mehr da ist, der sie aus der Stadt führt und sie kein Modell der Straßen mehr hat. Die Stadt brennt, und der Werner, der auf der Suche nach einem wichtigen Sender ist, sucht in einem Keller Schutz vor den Bomben.

  • Eine Vielzahl von kurzen Szenen, die schlaglichtartig die Vorkriegszeit und den Krieg in Deutschland und Frankreich beleuchten: die Flucht vor den deutschen Truppen, die Nöte und Ängste der jüdischen Bevölkerung, die Arbeit der Resistance.
  • Eine kunstvoll verwobenen Geschichte, eine wunderbar präzise Sprache, die in wenigen Worten vieles vermittelt.
  • Maries Geschichte bildet den roten Faden, Werners Geschichte ist der Kontrapunkt
  • 2014 „Buch des Jahres“ der New York Times, 2015 Pulitzer Preis.

 

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