Heidis E-Book des Monats

Unsere Kollegin Heidi Prax stellt einmal im Monat unter dem Motto “Bücher und mehr” in unserer Bücherei Bücher abseits der Bestseller-Listen vor, die sie selbst gelesen und bewertet hat. Passend dazu gibt es in unserem Blog “Heidis E-Book des Monats”.

Wir wollen Ihnen jeden Monat zwei dieser besprochenen Titel vorstellen.

Anne-Kathrin Kilg-Meyer: Wie sich Mileva Einstein Alberts Nobelpreisgeld sicherte

knvmmdb.dllGeboren 1875 als Mileva Maric im heutigen Serbien. Ihre wohlhabende Familie unterstützte ihren Wunsch nach Bildung; sie war die erste Serbin und eine der ersten Frauen überhaupt, die 1896 in Zürich ein Studium der Mathematik und Physik begann. Dort lernt sie ihren Kommilitonen Albert Einstein kennen.

1901 wird sie schwanger, sie fällt durch die Prüfungen und geht zurück zu ihrer Familie und bringt dort 1902 ihre Tochter Lieserl zur Welt. Es ist unklar, was mit dem Kind passierte; ob es zur Adoption gegeben wurde, ob es krank oder behindert war, ob es eventuell früh starb.

Albert hat seine Tochter nie gesehen.

1903 heiraten die beiden, gegen den ausdrücklichen Wunsch von Alberts Mutter. 1904 kommt Hans Albert zur Welt, 1910 Eduard, der Hochbegabte, der früh psychisch erkrankt. Albert gibt Mileva die Schuld daran. Bereits seit 1912 führt er einen vertraulichen Briefwechsel mit seiner wesentlich jüngeren Cousine Elsa. 1914 trennt sich das Paar, Mileva verlässt Berlin und geht mit den Kindern nach Zürich. Sie leidet schwer unter der Trennung, alleine mit den beiden Söhnen, von denen einer lebenslang auf Pflege und Behandlung angewiesen ist, in beengten finanziellen Verhältnissen.

Und nun beginnt die Geschichte des Preisgeldes: Albert möchte unbedingt die Scheidung, um Elsa heiraten zu können. Mileva möchte sich eigentlich gar nicht scheiden lassen, und die Verweigerung ist der einzige Trumpf, den sie hat. Sie will unbedingt eine Absicherung, eine Zukunft für ihre Söhne und sie weiß, dass Albert kein Interesse an ihnen hat. Und so treffen die beiden eine Vereinbarung: Albert sichert ihr das Preisgeld für den noch zu erhaltenden Nobelpreis zu, im Gegenzug willigt Mileva in die Scheidung ein, die 1919 wegen „natürlicher Unverträglichkeit“ erfolgte. 1922 erhält Albert den Nobelpreis für Physik, und Mileva bekommt das Preisgeld. Sie kauft ein Haus in Zürich für sich und ihre Söhne; auch die Pflege von Eduard, der an Schizophrenie leidet, kostet viel Geld. 1948 stirbt Mileva vereinsamt in Zürich.

Lange wurde sie nur als eine Art „Stichwortgeberin“ für ihren Mann, das Genie, gesehen. Doch seine großen Erfolge und Durchbrüche erzielte er während ihrer Beziehung. In ihrem Briefwechsel zwischen 1897 und 1903 wird das Ausmaß ihres Beitrags zur gemeinsamen Arbeit deutlich. Seit einigen Jahren häuft sich Kritik an der fehlenden Würdigung und Anerkennung ihrer Arbeit, und 2005 wurde sie von Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich als „Mitentwicklerin der Relativitätstheorie“ geehrt.

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