Heidis E-Book des Monats

Unsere Kollegin Heidi Prax stellt einmal im Monat unter dem Motto „Bücher und mehr“ in unserer Bücherei neue Bücher abseits der Bestseller-Listen vor, die sie selbst gelesen und bewertet hat. Passend dazu gibt es in unserem Blog „Heidis E-Book des Monats“.

Wir wollen Ihnen jeden Monat zwei dieser besprochenen Titel vorstellen.

John Williams: Stoner

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  • Erzählt wird das Leben von William Stoner, der 1890 als Sohn armer Farmer in Missouri geboren wurde. Seine Eltern ermöglichen ihm unter großen Opfern ein Studium der Agrarwissenschaft und er entdeckt, wie sehr ihn das Lernen begeistert. Seine wahre Liebe gehört jedoch der englischen Literatur, und so trifft er nach Abschluß seines Landwirtschaftsstudiums die Entscheidung, nicht nach Hause auf die Farm zurückzukehren, sondern weiter zu studieren, endlich Anglistik. Er macht seinen Doktor und beginnt seine Laufbahn als Assistenzprofessor an seiner Universität.
  • Während seines Studiumsgewinnt er zwei Freunde, Dave, der in den I. WK zieht und dort fällt; und George, der ebenfalls an der Uni bleibt und später sein Vorgesetzter wird. William entscheidet sich daür, nicht in den Krieg zu ziehen.
  • Er lernt Edith kennen, die Tochter eines Bankpräsidenten, verliebt sich in ihre blauen Augen und sie heiraten. Für ihn ist es ein gesellschaftlicher Aufstieg, für sie aus einer wohlhabenden, gebildeteten Familie eher ein Abstieg, den sie ihn nie vergessen lassen wird. Bald merkt er, daß er niemals eine glückliche Ehe führen wird. Sie haben keinerlei gemeinsame Interessen, Edith lehnt alle Körperlichkeit vehement ab; sie entwickelt „Zustände“, „Schwächen“ und zeigt ihm sehr subtil ihre Ablehnung.
  • Edith wird schwanger, sie bekommen eine Tochter, Grace, die anfangs meist von Willie versorgt wird, weil Edith eine Art Wochenbettdepression entwickelt. Durch die gemeinsame Nähe gewinnt Willie seine Tochter sehr lieb, und als Edith dies bemerkt, setzt sie alles daran, ihm sein Kind zu entziehen und zu entfremden. Alle kleinen Gemeinheiten, all den versteckten Haß und die Bosheit erträgt William mit der stoischen Gelassenheit eines Farmers, der die Elemente hinnehmen muß. Er findet Kraft und Zufriedenheit in seiner geliebten Arbeit mit den Studenten.
  • Edith will unbedingt ein Haus, und Willie verschuldet sich bei seinem Schwiegervater, dem Banker. Jedoch auch das Haus macht Edith nicht glücklicher, nicht zufriedener, im Gegenteil.
  • Nach dem Börsencrash nimmt sich Ediths Vater das Leben; es gibt Auseinandersetzungen und Rivalitäten an der Universität. Willies Eltern sterben, und die Farm wird verkauft.
  • Langsam verliebt er sich in seine Studentin Kathleen Driscoll, seine Liebe wird erwidert, er erfährt zum ersten Mal erfüllte Sexualität und geistige Übereinstimmung. Sein Glück ist jedoch nicht von Dauer, sein alter Feind Lomax inszeniert eine Intrige, und Kathleen muß die Universität und Willie verlassen.
  • Seine Tochter Grace wird früh schwanger, sie muß den Jungen heiraten, zieht nachSt. Louis, ihr Mann zieht in den II. WK und fällt fast sofort. Grace beginnt zu trinken, läßt ihren Sohn bei den Schwiegereltern.
  • Viele von Willies Studenten kommen nicht wieder aus dem Krieg, unmittelbar darauf ziehen sie in den nächsten, in den Korea – Krieg. Willie verzweifelt fast an diesem Irrsinn und zieht sich immer mehr zurück. Durchs Leben trägt ihn seine Liebe zur Literatur, insbesondere zur englischen, zur Poesie, die große Hingabe an Lehren und Lernen, ans Lesen und Schreiben; den stetigen Versuch, davon etwas an seine Studenten zu vermitteln und die Liebe zum Campus – Leben eines Gelehrten.
  • In den Fünfziger Jahren verändert sich alles, und sein alter Feind will ihn unbedingt loswerden und emeritieren. Willie erkrankt an Krebs und stirbt vor seiner Pensionierung.
  • Williams erzählt die Geschichte eines scheinbar genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterläßt und in dem doch alles geschieht: Liebe, Freundschaft, Ehe, Krieg, Verzicht und Opfer. Er läßt uns ein in die Seele eines genügsamen, im Innersten unbeugsamen Mannes, der Poesie, Worte, Geschichten, Sprache liebt.
  • John Williams: 1922 – 1994, wuchs in Texas auf, seine Großeltern waren Farmer. Er konnte nur ein Jahr das College besuchen, arbeitete für Zeitungen und als Radiosprecher. 1942 meldete er sich freiwillig, war bis Ende des Krieges in Indien und Burma stationiert. Dort schrieb er seinen ersten Roman „Nothing but the Night“, der 1948 veröffentlicht wurde. Nach Kriegsende studierte er in Denver englische Literatur und erhielt einen Lehrauftrag an der Universität von Missouri. 1954 promovierte er, 1955 bis 1985 lehrte er in Denver. 196o erschien sein zweiter Roman, ein klassischer Western „ Butchers crossing“, 1965 erschien „Stoner“ das erste Mal und 1973 „Augustus“, ein historischer Roman, der den National Book Award erhielt.

 

 

 

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