Warum nicht alle E-Books in der Onleihe verfügbar sind

Zunächst ist es einmal interessant zu wissen, wie E-Books in den Onleihe-Bestand kommen. Bevor die einzelnen Büchereien aus einem Pool von E-Books und anderen Medien Lizenzen erwerben, verhandelt die DiviBib GmbH mit den jeweiligen Verlagen. Mit den meisten kommt es zu einer Übereinkunft, welche Titel den Büchereien dann zur Verfügung gestellt werden. Diese können von den Büchereien dann als Lizenz erworben werden.

Rein rechtlich haben die Büchereien keinen Anspruch auf digitale Medien hinsichtlich des Erwerbs und des Verleihs. Dass trotzdem E-Books in der Onleihe zur Verfügung stehen, liegt am Willen der Verlage, Bücher unter bestimmten Bedingungen freizugeben oder auch nicht. Der Stand bis jetzt ist, dass folgende Verlage keine Lizenzen (betrifft Bücher für eReader) für die Onleihe zur Verfügung stellen: Bonnier (mit arsEdition, Carlsen), Holtzbrinck (mit Droemer, Knaur), Piper, Thienemann-Esslinger, Ullstein, Cornelsen, Diogenes, S. Fischer, Rowohlt, Hoffmann und Campe und der Stark-Verlag.

Das bisher bestehende Urheberrechtsgesetz bezieht sich lediglich auf die Ausleihe gedruckter Medien. Dieses besagt, dass alle Bibliotheken 3-4 Cent pro Ausleihe an die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) zahlen. Der so gesammelte Betrag wird nach Abzug der Verwaltungskosten auf die Urheber in Form von Tantiemen ausgeschüttet. Eine Änderung des Urheberrechts ist angedacht, aber noch nicht vollzogen. Laut Koalitionsvertrag der Bundes­re­gierung vom 17.12.2013 beinhaltet dieser folgende Vereinbarungen: (Koalitionsvertrag Gliederungspunkt 4.3. Kultur, Medien und Sport)

Reform des Urheberrechts

…Wir wollen das Urheberrecht den Erfordernissen und Herausforderungen des digitalen Zeitalters anpassen. Dabei werden digitale Nutzungspraktiken berücksichtigt. Ziel muss ein gerechter Ausgleich der Interessen von Urhebern, Verwertern und Nutzern sein…

…Wir werden prüfen, ob den öffentlichen Bibliotheken gesetzlich das Recht eingeräumt werden sollte, elektronische Bücher zu lizensieren…

..Den verminderten Mehrwertsteuersatz für Bücher, Zeitungen und Zeitschriften will die Koalition beibehalten; er soll in Zukunft auch für Hörbücher gelten. Auf euro­päischer Ebene wird die Koalition darauf hinwirken, dass auf E-Books, E-Paper und andere elektro­ni­sche Informationsmedien künftig der ermäßigte Mehrwertsteuersatz Anwendung finden kann…

Als einziges ändert sich ab Januar 2015, das Hörbücher (betrifft nicht Downloads) mit 7 statt 19 % MwSt belastet werden. Ob und wann der Steuersatz von E-Books gesenkt wird ist noch nicht abzusehen. Was noch entscheidender wäre, ist die Überarbeitung des Urheberrechts hinsichtlich der Erweiterung auf digitale Medien, damit Büchereien grundsätzlich ein Recht erhalten, um E-Books zu marktüblichen Konditionen zu beziehen. Denn im Endeffekt geht es um das Recht der Kunden, aus einem vielfältigen Angebot der Onleihe auswählen zu können.

 

alle Quellen wurden am 10.11.14 recherchiert

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/2013/2013-12-17-koalitionsvertrag.pdf;jsessionid=B30B761E17A8A161A224064D53F31543.s1t2?__blob=publicationFile&v=2

http://www.welt.de/finanzen/article130069473/Steuersatz-fuer-Hoerbuecher-sinkt-von-19-auf-7-Prozent.html

http://www.zdnet.de/88192119/mehrwehrtsteuersatz-fuer-e-books-und-hoerbuecher-soll-auf-7-prozent-sinken/

https://www.bvoe.at/news/bericht_zur_lage_der_bibliotheken

2 Gedanken zu “Warum nicht alle E-Books in der Onleihe verfügbar sind

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